Deutschland 1622
"Daß die Dichter und Dramenautoren die beredtsten Verfechter eines Reichspatriotismus wurden, hängt durchaus damit zusammen, daß sie in der Lage waren, dem Schmerz mit Worten Ausdruck zu verleihen - allerdings waren auch die Tagebuchaufzeichnungen der einfachsten Handwerker genauso erschütternd -, vor allem aber artikulierten sie laut vernünftiges Nachdenken und politisches Handeln. In ihren Augen war der erste Schritt auf dem Weg zum Frieden die Besinnung auf die Muttersprache, die erste gemeinsame Übereinkunft. Die Entfernung aller fremden Wörter, die anscheinend zur selben Zeit in die Sprache eingedrungen waren wie die fremden Soldaten in das Land, hatte ein politisches Ziel. Die Gründer der Fruchtbringenden Gesellschaft, die unmittelbar vor Ausbruch des Krieges ins Leben gerufen wurde, der lutherische Herzog Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar und der reformierte Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen, sprachen 1622 von einem «teutschen Friedbund» und richteten an alle «gethrewen Patrioten» Aufrufe zum allgemeinen Frieden."
Claire Gantet über den Beginn der reichspatriotischen literarischen Friedensbewegung im Dreißigjährigen Krieg. Angesichts der Besatzung durch Napoleon zu Beginn des 19. Jahrhundert erinnerten sich die romantischen Dichter und Philosophen wieder an diese Idee und hoben vor allem Grimmelshausen und seinen 1668/9 veröffentlichten "Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch", einen herausragenden Roman um das Soldatenleben und die Kriegsabenteuer eines friedenssehnsüchtigen Vaganten im Dreißigjährigen Krieg, sowie den "teutschen Michel" (alias Hans-Michael Elias von Obentraut, s. Hunsrück Zeitung) als Identifikationsbilder eines nationaldeutschen Patriotismus hervor.
Nachweis: Claire Gantet, Der Westfälische Frieden, in: Etienne François/Hagen Schulze (Hg.), Deutsche Erinnerungsorte I, München: Beck, 22001, S. 86-104, hier: 87, 98.
Claire Gantet über den Beginn der reichspatriotischen literarischen Friedensbewegung im Dreißigjährigen Krieg. Angesichts der Besatzung durch Napoleon zu Beginn des 19. Jahrhundert erinnerten sich die romantischen Dichter und Philosophen wieder an diese Idee und hoben vor allem Grimmelshausen und seinen 1668/9 veröffentlichten "Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch", einen herausragenden Roman um das Soldatenleben und die Kriegsabenteuer eines friedenssehnsüchtigen Vaganten im Dreißigjährigen Krieg, sowie den "teutschen Michel" (alias Hans-Michael Elias von Obentraut, s. Hunsrück Zeitung) als Identifikationsbilder eines nationaldeutschen Patriotismus hervor.
Nachweis: Claire Gantet, Der Westfälische Frieden, in: Etienne François/Hagen Schulze (Hg.), Deutsche Erinnerungsorte I, München: Beck, 22001, S. 86-104, hier: 87, 98.
chigliak - 2005-01-02 13:39
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