Mehr Barbareskenstaaten
"Es kamen [um 1815, chglk.] Hiobsposten über Kapereien preußischer Schiffe durch Marokko und über ein Königsberger Fahrzeug, welches im Hafen von Oporto förmlich von Piraten belagert wurde. Ein dort befindliches englisches Geschwader lehnte es ab, das Schiff zu schützen. Man mußte eiligst die in Sklaverei gerathenen Seeleute durch den Gesandten in Madrid loskaufen und, da auf England nicht zu rechnen war, sich an Schweden wenden, daß es sich der schutzlosen preußischen Schiffe annehme."
Die Schweden wollten aber selbstverständlich Ausgleichszahlungen und rechneten vor, dass sie an Zahlungen an die "Staatspiraterie" betreibenden Barbareskenstaaten jährlich Ausgaben in Höhe von 90.140 Piastern (etwa 128.950 preußische Thaler) an Marokko, Algier, Tunis und Tripolis tätigten. Von den Geschenken an die Deys bzw. Beys als Ausgangsaufwendungen für die Vertragsverhandlungen zu den zugrundeliegenden Verträgen ganz zu schweigen. Dänemark nannte den Preußen auf Anfrage incl. der Diskontierung dieser Geschenke eine noch um fast 40% höhere Summe für den Schutz seiner jährlich rund 500 Schiffe, die ins Mittelmeer fuhren. Preußen lehnte eine Beteiligung an diesen Kosten als zu teuer ab. Als Folge davon erschienen nordafrikanische Kaperschiffe im Mai 1817 im Ärmelkanal und vor der deutschen Nordseeküste, wo sie zwei Hamburger, ein Lübecker und ein Oldenburger Schiff beraubten. Ein englischer Kreuzer jagte ihnen die Beute zwar wieder ab, aber die Rheder durften die Kosten begleichen und die Piraten gingen straffrei aus. Dennoch wurde die von Baden (!) angeregte Aufstellung einer kleinen, schlagkräftigen Flotte des Deutschen Bundes wenigstens zur Sicherstellung der Schifffahrt in der Nordsee in selbigem nicht einmal diskutiert. So richtig kamen auch Verhandlungen mit anderen Mächten oder den Barbareskenstaaten selbst nicht in Gang und die deutsche Schifffahrt etwa nach Italien oder zum Schwarzen Meer litt darunter.
Das preußische Problem erledigte sich erst, nachdem Frankreich ab 1830 Algerien eroberte und die Piraterie weitgehend unterband.
Nachweis: Alfred Zimmermann, Geschichte der preußisch-deutschen Handelspolitik aktenmäßig dargestellt, Oldenburg - Leipzig: Schulzesche Hofbuchhandlung und Hof-Buchdruckerei A. Schwartz, 1892, S. 115-129; Zitat von S. 116.
Die Schweden wollten aber selbstverständlich Ausgleichszahlungen und rechneten vor, dass sie an Zahlungen an die "Staatspiraterie" betreibenden Barbareskenstaaten jährlich Ausgaben in Höhe von 90.140 Piastern (etwa 128.950 preußische Thaler) an Marokko, Algier, Tunis und Tripolis tätigten. Von den Geschenken an die Deys bzw. Beys als Ausgangsaufwendungen für die Vertragsverhandlungen zu den zugrundeliegenden Verträgen ganz zu schweigen. Dänemark nannte den Preußen auf Anfrage incl. der Diskontierung dieser Geschenke eine noch um fast 40% höhere Summe für den Schutz seiner jährlich rund 500 Schiffe, die ins Mittelmeer fuhren. Preußen lehnte eine Beteiligung an diesen Kosten als zu teuer ab. Als Folge davon erschienen nordafrikanische Kaperschiffe im Mai 1817 im Ärmelkanal und vor der deutschen Nordseeküste, wo sie zwei Hamburger, ein Lübecker und ein Oldenburger Schiff beraubten. Ein englischer Kreuzer jagte ihnen die Beute zwar wieder ab, aber die Rheder durften die Kosten begleichen und die Piraten gingen straffrei aus. Dennoch wurde die von Baden (!) angeregte Aufstellung einer kleinen, schlagkräftigen Flotte des Deutschen Bundes wenigstens zur Sicherstellung der Schifffahrt in der Nordsee in selbigem nicht einmal diskutiert. So richtig kamen auch Verhandlungen mit anderen Mächten oder den Barbareskenstaaten selbst nicht in Gang und die deutsche Schifffahrt etwa nach Italien oder zum Schwarzen Meer litt darunter.
Das preußische Problem erledigte sich erst, nachdem Frankreich ab 1830 Algerien eroberte und die Piraterie weitgehend unterband.
Nachweis: Alfred Zimmermann, Geschichte der preußisch-deutschen Handelspolitik aktenmäßig dargestellt, Oldenburg - Leipzig: Schulzesche Hofbuchhandlung und Hof-Buchdruckerei A. Schwartz, 1892, S. 115-129; Zitat von S. 116.
chigliak - 2005-04-06 22:57
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