Die Träume der Technokraten
"By the turn of the twentieth century, economic and social development had transformed the conditions for economic data-gathering. For generations, statisticians and social planners had dreamed of imposing an orderly scheme of measurement on the world. What distinguished early twentieth-century planners and social engineers form their predecessors was that they could actually do it!"
Auch vor 1900 wurden schon eifrig Daten gesammelt und Statistiken erstellt. Dabei wurde vor allem gezählt: Bevölkerung und Beschäftigte, Betriebsstätten, Produktion und Handelsströme (am liebsten in Zentnern und Tonnen). Preise wurden auch immer und überall notiert, an ihnen wurde, wenn überhaupt, die "Konjunktur" (ein auch weitgehend unbekannter Begriff) gemessen. Dabei handelte es sich in der Regel um Bruttogrößen, der Begriff der Nettowertschöpfung war in Produktionsstatistiken unbekannt. Konzepte wie Arbeitslosigkeit waren in einer Gesellschaft, in der viel Subsistenz- und Selbstverbrauchsproduktion betrieben wurde und Heimarbeit eine wichtige Rolle spielte, nur schwer operationalisier- und messbar. Eine Statistik, die die städtische Welt in Betriebs-, also Werkstätten, gliedert, übersieht die Bedeutung von Arbeitsteilung, macht aus ungelernten Maschinenarbeitern Werkstattangestellte und erlaubt es nicht, eine kapitalistische Wirtschaft zu verstehen. All das war mit sozio-kulturellen Umwälzungen im Kaiserreich (und anderswo) und der Reaktion statistischer Ämter auf diese Entwicklungen in einem Prozess der Überwindung befindlich. Deutschland bekam Mitte bis Ende der 1920er Jahre unter Ernst Wagemann erstmals eine moderne Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, und erst ab da hatte man (vor allem das "Institut für Konjunkturforschung", der Vorgänger des DIW in Berlin) einen verlässlichen Überblick über das Große in der Wirtschaft, die empirische Makroökonomik war durchführ- und ihre Ergebnisse abbildbar. Das lernt, wer Adam Tooze liest.
Nachweis: J. Adam Tooze, Statistics and the German State, 1900-1945. The Making of Modern Economic Knowledge, Cambridge, UK: Cambridge University Press, 2001 (= Cambridge Studies in Modern Economic History 9), S. 18.
Auch vor 1900 wurden schon eifrig Daten gesammelt und Statistiken erstellt. Dabei wurde vor allem gezählt: Bevölkerung und Beschäftigte, Betriebsstätten, Produktion und Handelsströme (am liebsten in Zentnern und Tonnen). Preise wurden auch immer und überall notiert, an ihnen wurde, wenn überhaupt, die "Konjunktur" (ein auch weitgehend unbekannter Begriff) gemessen. Dabei handelte es sich in der Regel um Bruttogrößen, der Begriff der Nettowertschöpfung war in Produktionsstatistiken unbekannt. Konzepte wie Arbeitslosigkeit waren in einer Gesellschaft, in der viel Subsistenz- und Selbstverbrauchsproduktion betrieben wurde und Heimarbeit eine wichtige Rolle spielte, nur schwer operationalisier- und messbar. Eine Statistik, die die städtische Welt in Betriebs-, also Werkstätten, gliedert, übersieht die Bedeutung von Arbeitsteilung, macht aus ungelernten Maschinenarbeitern Werkstattangestellte und erlaubt es nicht, eine kapitalistische Wirtschaft zu verstehen. All das war mit sozio-kulturellen Umwälzungen im Kaiserreich (und anderswo) und der Reaktion statistischer Ämter auf diese Entwicklungen in einem Prozess der Überwindung befindlich. Deutschland bekam Mitte bis Ende der 1920er Jahre unter Ernst Wagemann erstmals eine moderne Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, und erst ab da hatte man (vor allem das "Institut für Konjunkturforschung", der Vorgänger des DIW in Berlin) einen verlässlichen Überblick über das Große in der Wirtschaft, die empirische Makroökonomik war durchführ- und ihre Ergebnisse abbildbar. Das lernt, wer Adam Tooze liest.
Nachweis: J. Adam Tooze, Statistics and the German State, 1900-1945. The Making of Modern Economic Knowledge, Cambridge, UK: Cambridge University Press, 2001 (= Cambridge Studies in Modern Economic History 9), S. 18.
chigliak - 2006-01-08 13:11
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