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29
Mai
2006

Technischer Fortschritt

Die Maschinen, welche die Theile der Arbeit übernehmen, besitzen aber nicht, wie der Mensch, eine anerzogene, sondern eine angeborene Geschicklichkeit; sie arbeiten mit so viel Händen und Armen, als sie Bewegungen verrichten, und die eiserne Natur einer jeden bleibt unverändert.
Die practische Anwendung der Arbeitstheilung muß durch jede neu erfundene Maschine verändert werden.


Das wusste schon Herr Hansemann im Jahre 1863. In diesem Sinne fragt er sich, was denn nun im Rahmen internationaler Arbeitsteilung eigentlich „ächt nationale“ Gewerbe seien. Nach einem Bericht für das preußische Abgeordnetenhaus und der Ansicht vieler "Experten" seien das Landwirtschaft und alle Gewerbe, die nicht zentralisiert (also in Fabriken), sondern dezentral ausgeübt würden und wo statt Kapital der menschliche Verstand gefordert sei; also vor allem das Handwerk. Hansemann spielt das gedanklich bis zum Ende durch und kommt zu dem Schluss, dass bei zunehmender Maschinisierung der Produktion am Ende als „ächt national“ nur noch bildende Kunst und Schriftstellerei übrig bleibe. Er findet es unsinnig, an solchen Bildern des „deutschen Volkscharakters“ Politik zu machen, die Fabrikproduktion als „undeutsch“ ansehe. Schon damals - als deutsche Arbeit noch im Vergleich mit z.B. britischer billig war -, das wird deutlich, gab es das Bild des humankapitalintensiven deutschen Produktionssystems mit seinen gut ausgebildeten Handwerkern (Facharbeitern). Hansemann sieht darin eine Chimäre und die Notwendigkeit zur fortwährenden Neupositionierung auf dem Weltmarkte.

Nachweis: Gustav Hansemann, Die wirthschaftlichen Verhältnisse des Zollvereins. Insbesonde in Beziehung auf die Leinen-, Baumwollen- und Wollen-Industrie, Berlin: Georg Stilke, 1863, S. 16 (Hervorhebung im Original gesperrt gesetzt).

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