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30
Jul
2006

Die Impotenz des Behüteten

"Anschließend an solche Erfahrungen pflegtest Du in bitterem Scherz zu sagen, dass es uns zu gut ging. Aber dieser Scherz ist in gewissem Sinne keiner. Das, was du dir erkämpfen musstest, bekamen wir aus deiner Hand, aber den Kampf um das äußere Leben, der dir sofort zugänglich war und der natürlich auch uns nicht erspart blieb, den müssen wir uns erst spät, mit Kindeskraft im Mannesalter erkämpfen."

Das Problem behüteter Kindheit für die folgende Durchsetzungsfähigkeit im Leben hat also auch Kafka erlitten. Bei ihm war es gar, so schreibt er im Brief an den Vater, gepaart mit einem so dominanten und bestimmenden Vater, dass er bedauert, "dass wir mit unserer Not uns nicht rühmen und niemand mit ihr demütigen konnen, wie du es mit deiner Not getan hast."

Nachweis: Franz Kafka, »Brief an den Vater«, in: Ders.: Die Verwandlung / Brief an den Vater und weitere Werke, hg. v. Johannes Diekhans, Paderborn: Schöningh Verlag (Reihe Einfach deutsch), 1999, S. 65-118, hier: 85.

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