Frieden und Bürokratie
"Der Bürgermeister erinnerte sich an ihn. Vor Monaten, als ihm die Ernennung des Standesbeamten mitgeteilt worden war, hatte er ein Ferngespräch geführt, um anzufragen, wie er ihn empfangen solle, und man hatte ihm geantwortet: »Mit Schüssen.« Jetzt kamen andere Befehle. Die Hände in den Taschen, wandte er sich an den Sekretär und sagte:
»Schreiben Sie den Brief.«
Der Bürgermeister war nämlich eigentlich Leutnant in einem der unendlichen kolumbianischen Bürgerkriege und ist über seinen Terror in dem Dorf, dass er nun im anschließenden Frieden zivil verwaltet, Landbesitzer geworden. Nun hat er die in Hütten hausenden Opfer einer Sintflut auf sein Land am Friedhof umgesiedelt, kann diese Aktion aber nicht legalisieren (und sich selbst Entschädigung zahlen), weil (unter seiner Aufsicht) vor den letzten Wahlen die Wahlausweise von Oppositionswählern, die die Umgesiedelten als einzige persönliche Dokumente besaßen, polizeilich beschlagnahmt und vernichtet wurden, womit sie zu keinem Rechtsakt fähig sind bzw. bürokratisch nicht existieren und angesiedelt werden können. So findet sich der Kriegsgewinnler in den Maschen der Bürokratie eines sich nun als Rechtsstaat gerierenden Systems.
Nachweis: Gabriel García Márquez, Die böse Stunde. Aus dem Spanischen von Christiane und Kurt Meyer-Clason, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2. Auflage 2002 (des KiWi-Taschenbuch 739), S. 83 (Original La mala hora von 1974, deutsche Erstausgabe 1979).
»Schreiben Sie den Brief.«
Der Bürgermeister war nämlich eigentlich Leutnant in einem der unendlichen kolumbianischen Bürgerkriege und ist über seinen Terror in dem Dorf, dass er nun im anschließenden Frieden zivil verwaltet, Landbesitzer geworden. Nun hat er die in Hütten hausenden Opfer einer Sintflut auf sein Land am Friedhof umgesiedelt, kann diese Aktion aber nicht legalisieren (und sich selbst Entschädigung zahlen), weil (unter seiner Aufsicht) vor den letzten Wahlen die Wahlausweise von Oppositionswählern, die die Umgesiedelten als einzige persönliche Dokumente besaßen, polizeilich beschlagnahmt und vernichtet wurden, womit sie zu keinem Rechtsakt fähig sind bzw. bürokratisch nicht existieren und angesiedelt werden können. So findet sich der Kriegsgewinnler in den Maschen der Bürokratie eines sich nun als Rechtsstaat gerierenden Systems.
Nachweis: Gabriel García Márquez, Die böse Stunde. Aus dem Spanischen von Christiane und Kurt Meyer-Clason, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2. Auflage 2002 (des KiWi-Taschenbuch 739), S. 83 (Original La mala hora von 1974, deutsche Erstausgabe 1979).
chigliak - 2006-08-14 16:25
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