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27
Sep
2006

Sozialistischer Wochenmarkt

"Ein Junge, der zu uns kam, um uns um eine Münze aus unserem Lande zu bitten, sich aber mit unserem letzten Hemdenknopf zufriedengab, lud uns auf den Obstmarkt ein. Wir blieben vor einer jener Frauen stehen, ohne daß die übrigen ihr lautes, unverständliches Anpreisen unterbrachen. Sie begleiteten sich mit Händeklatschen. Der Junge erklärte uns, das seien die Verkäuferinnen der Kolchosen. Er betonte mit echtem Stolz, aber auch mit allzu deutlicher politischer Absicht, daß diese Frauen sich gegenseitig keine Konkurrenz machten, weil die Ware Kollektiveigentum sei. Um zu sehen, wie er reagieren würde, sagte ich, daß es in Kolumbien genauso sei. Der Junge erstarrte."

García Márquez auf einem Bauernmarkt in der Ukraine anno 1959, auf der Zugreise von Prag nach Moskau zum VI. Jugendkongress. Fragt sich, warum sie überhaupt anpreisen, wenn Nachfrage und Angebot eh geplant sind.

Nachweis: Nachweis: Gabriel García Márquez, »UdSSR: 22 400 000 Quadratkilometer ohne eine einzige Coca-Cola-Reklame«, in: ders.: Zwischen Karibik und Moskau. Journalistische Arbeiten 1955-1959. Deutsch von Hildegard Moral, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1986 (= KiWi 107), S. 160-169, hier: 168f.

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