Freihandel und Sklaverei
"Slavery was gradually becoming the paramount political issue; and the South, which henceforth dominated American politics, clearly perceived the close connection between slavery and free trade."
Nein, es geht nicht um kapitalistischen Imperialismus in der Dritten Welt. Sondern einzig um die spannende Konstellation, dass in den USA der 1840er bis 1860er Jahre Sklaverei und Freihandelslobby auf der einen Seite (im Süden) und Protektionismus und Sklavenbefreiung auf der anderen (im Norden) miteinander verbündet waren. Der einfache Grund dafür ist, dass die mit Sklaven bewirtschafteten Plantagen des Südens exportorientiert waren (u.a. Baumwolle nach Europa), während der Norden importsubstituierende Industrialisierung betrieb, wo die Sklaverei kein sehr effizientes Produktionssystem ist.
Seit 1824 hatten sich zunächst die Zölle -auch unter dem Einfluss Friedrich Lists- immer weiter Richtung Protektionismus bewegt, bevor der demokratische Präsident Polk (1844-1849) eine Trendwende einleitete, die 1857 in dem bis dato liberalsten Zoll der amerikanischen Geschichte gipfelten. Leider wurde dieser durch eine Wirtschaftskrise konterkariert, die schon deshalb zu Zollerhöhungen führte, weil nur so das plötzlich enorme Budgetdefizit der öffentlichen Haushalte zu decken war: noch vor Ausbruch des Bürgerkriegs wurde 1861 ein neues, auch deutlich protektionistischeres Zollgesetz verabschiedet.
Mit dem Bürgerkrieg wurden immer neue Zollgesetze erlassen, um die Kriegsfinanzierung zu sichern und das produzierende Gewerbe gegen die Benachteiligung durch erhöhte innere Steuern zu schützen. Die internen Steuern wurden bald nach Ende des Krieges zurückgefahren, während der McKinley-Tariff von 1890 den Protektionismus noch deutlich akzentuierte. Hierbei wurden, um die zu hohen Staatseinnahmen zu drosseln, gar die Zuckerzölle gesenkt und die nationale Zuckerproduktion entsprechend subventioniert. Siehe auch einen Comment von J. Bradford DeLong zu einem Artikel von Douglas Irwin über die Protektionswirkungen der Zollpolitik auf die amerikanische Weißblechindustrie (dieser wiederum ist hier abrufbar (PDF)).
Nachweis: Richmond Mayo-Smith/Edwin R.A. Seligman: The Commercial Policy of the United States of America. 1860-1890, in: Gustav Schmoller (Hg.): Die Handelspolitik Nordamerikas, Italiens, Österreichs, Belgiens, der Niederlande, Dänemarks, Schwedens und Norwegens, Rußlands und der Schweiz in den letzten Jahrzehnten sowie die deutsche Handelsstatistik von 1880 bis 1890. Berichte und Gutachten veröffentlicht vom Verein für Socialpolitik, Leipzig: Duncker & Humblot, 1892 (= Schriften des Vereins für Socialpolitik 49 bzw. Die Handelspolitik der wichtigeren Kulturstaaten in den letzten Jahrzehnten 1), S. 1-74, hier: S. 10.
Nein, es geht nicht um kapitalistischen Imperialismus in der Dritten Welt. Sondern einzig um die spannende Konstellation, dass in den USA der 1840er bis 1860er Jahre Sklaverei und Freihandelslobby auf der einen Seite (im Süden) und Protektionismus und Sklavenbefreiung auf der anderen (im Norden) miteinander verbündet waren. Der einfache Grund dafür ist, dass die mit Sklaven bewirtschafteten Plantagen des Südens exportorientiert waren (u.a. Baumwolle nach Europa), während der Norden importsubstituierende Industrialisierung betrieb, wo die Sklaverei kein sehr effizientes Produktionssystem ist.
Seit 1824 hatten sich zunächst die Zölle -auch unter dem Einfluss Friedrich Lists- immer weiter Richtung Protektionismus bewegt, bevor der demokratische Präsident Polk (1844-1849) eine Trendwende einleitete, die 1857 in dem bis dato liberalsten Zoll der amerikanischen Geschichte gipfelten. Leider wurde dieser durch eine Wirtschaftskrise konterkariert, die schon deshalb zu Zollerhöhungen führte, weil nur so das plötzlich enorme Budgetdefizit der öffentlichen Haushalte zu decken war: noch vor Ausbruch des Bürgerkriegs wurde 1861 ein neues, auch deutlich protektionistischeres Zollgesetz verabschiedet.
Mit dem Bürgerkrieg wurden immer neue Zollgesetze erlassen, um die Kriegsfinanzierung zu sichern und das produzierende Gewerbe gegen die Benachteiligung durch erhöhte innere Steuern zu schützen. Die internen Steuern wurden bald nach Ende des Krieges zurückgefahren, während der McKinley-Tariff von 1890 den Protektionismus noch deutlich akzentuierte. Hierbei wurden, um die zu hohen Staatseinnahmen zu drosseln, gar die Zuckerzölle gesenkt und die nationale Zuckerproduktion entsprechend subventioniert. Siehe auch einen Comment von J. Bradford DeLong zu einem Artikel von Douglas Irwin über die Protektionswirkungen der Zollpolitik auf die amerikanische Weißblechindustrie (dieser wiederum ist hier abrufbar (PDF)).
Nachweis: Richmond Mayo-Smith/Edwin R.A. Seligman: The Commercial Policy of the United States of America. 1860-1890, in: Gustav Schmoller (Hg.): Die Handelspolitik Nordamerikas, Italiens, Österreichs, Belgiens, der Niederlande, Dänemarks, Schwedens und Norwegens, Rußlands und der Schweiz in den letzten Jahrzehnten sowie die deutsche Handelsstatistik von 1880 bis 1890. Berichte und Gutachten veröffentlicht vom Verein für Socialpolitik, Leipzig: Duncker & Humblot, 1892 (= Schriften des Vereins für Socialpolitik 49 bzw. Die Handelspolitik der wichtigeren Kulturstaaten in den letzten Jahrzehnten 1), S. 1-74, hier: S. 10.
chigliak - 2004-10-28 22:50
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