Statistische Prosa
"Einsam und verwaist steht des Zollvereins nackte, kalte, leblose Centner-Statistik da. Wie prächtig würde ihr das warme und farbenreiche Kleid sitzen, in dem sich die Schwesten ringsum so wohl fühlen!"
Das waren noch Zeiten, als Gelehrte wie Dr. Georg Hirth sich über die Aufstellung von Handelsstatistiken in dieser Weise echauffieren konnten. Die "Commercial-Nachweisungen" bzw. die "Uebersicht des Waaren-Eingangs und der erhobenen Eingangs-Zölle in sämmtlichen Zollvereinsstaaten nach den Grenzstrecken des Eingangs" sind aber auch wahrhaft unschön im Gebrauch. Erst umfangreiche Berechnungen bringen hervor, dass Schafwolle und Baumwolle die wichtigsten Importgüter der Zeit waren. In allen angrenzenden Staaten sowie in Hamburg, Bremen und Lübeck wurde darüber hinaus schon mit Preisen gerechnet (wenn auch in den Niederlanden mit konstanten von 1846).
Nur im Zollverein setzte sich die Handelslobby derart durch, dass die Wertangabe in Zolldeklarationen einen unzumutbaren Aufwand darstelle, der der Entwicklung der deutschen Wirtschaft insgesamt hoch abträglich sei. Was natürlich, das wusste auch Hirth, Unsinn ist.
Hirth war übrigens auch Herausgeber der "Jugend", nach der der Jugendstil benannt ist.
Nachweis: Georg Hirth, Beiträge zu einer Deutschen Handelsstatistik I. Waaren-Durchschnittspreise und auswärtiger Handel, in: G. Hirth (Hg.), Staatshandbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Statistik des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Zollvereins 2 (1869) [später: Annalen des Deutschen Reiches für...] , Sp. 67-144, hier: 106f.
Das waren noch Zeiten, als Gelehrte wie Dr. Georg Hirth sich über die Aufstellung von Handelsstatistiken in dieser Weise echauffieren konnten. Die "Commercial-Nachweisungen" bzw. die "Uebersicht des Waaren-Eingangs und der erhobenen Eingangs-Zölle in sämmtlichen Zollvereinsstaaten nach den Grenzstrecken des Eingangs" sind aber auch wahrhaft unschön im Gebrauch. Erst umfangreiche Berechnungen bringen hervor, dass Schafwolle und Baumwolle die wichtigsten Importgüter der Zeit waren. In allen angrenzenden Staaten sowie in Hamburg, Bremen und Lübeck wurde darüber hinaus schon mit Preisen gerechnet (wenn auch in den Niederlanden mit konstanten von 1846).
Nur im Zollverein setzte sich die Handelslobby derart durch, dass die Wertangabe in Zolldeklarationen einen unzumutbaren Aufwand darstelle, der der Entwicklung der deutschen Wirtschaft insgesamt hoch abträglich sei. Was natürlich, das wusste auch Hirth, Unsinn ist.
Hirth war übrigens auch Herausgeber der "Jugend", nach der der Jugendstil benannt ist.
Nachweis: Georg Hirth, Beiträge zu einer Deutschen Handelsstatistik I. Waaren-Durchschnittspreise und auswärtiger Handel, in: G. Hirth (Hg.), Staatshandbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Statistik des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Zollvereins 2 (1869) [später: Annalen des Deutschen Reiches für...] , Sp. 67-144, hier: 106f.
chigliak - 2004-12-03 10:34
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