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4
Jan
2005

Cobden wusste es

"Cobden äußerte nicht nur in prophetischer Vorwegnahme späterer Erkenntnisse der Imperialismus-Forschung schon in den 60er Jahren [des 19. Jahrhunderts!, chglk.] die Befürchtung, das permanente europäische Wettrüsten bereits im Frieden mit überhöhten Rüstungsausgaben könne eine immanente Eigendynamik entfalten und beim geringsten Anlaß in einem Konflikt »as the only eventual escape from an otherwise perpetual war taxation in a time of peace« einmünden, er wies auch 1855 während des Krimkrieges warnend darauf hin, der europäische Rüstungswettlauf habe schon in den USA Mißtrauen erregt und dort - offenbar in einer Mischung aus Unsicherheit und nationalem Stolz - Tendenzen zum Eintritt in den Kreis der Flottenrivalen durch eigene Rüstungsanstrengungen geschürt. »Should this spirit acquire strength in the mind of the Nation (i.e. USA, Wdt.), and reconcile it to the expenso, there is no country in the world that in the course of a few years would be their equal at sea... It it wise on the part of the nations of the old world, placed at such a disadvantage by their colossal debts, and the necessities they are under for keeping large standing armies, to fasten on themselves a hostal naval rivalry with this transatlantic people?«"

Bernd-Jürgen Wendt untersucht in seinem Aufsatz von 1974 unter anderem die mögliche Vorbildfunktion des Cobden-Chevalier-Vertrags zwischen England und Frankreich (1860) für eine friedliche weltweite Integration. Er stellt dabei die im Vertrag inhärente Idee, dass wirtschaftliche Verflechtung durch Handel Wohlstand fördere, Völker einander näher bringe und Krieg unwahrscheinlicher mache, dem Palmerstonism gegenüber, der erst durch vor allem in Flottenpolitik ausgedrückter militärischer und politischer Macht die Voraussetzungen für funktionierende Handels- und Kommunikationsbeziehungen zwischen Staaten gegeben sah. Wendt sieht im Ansatz der "Cobdeniten" eine hoffnungvolle, nicht vollends von der Hand zu weisende, aber auch idealistische und von den Partikularinteressen des Industrie- und Handelsbürgertums getragene Strategie, die allein nicht zum Erfolg führen könne. Denn: "Ebensowenig lassen sich staatliche Apparate und Instanzen mit ihrem Dispositions- und Lenkungsanspruch im zwischenstaatlichen Verkehr durch ein Netz mehr informeller Kontakte und Verbindungen zwischen den Völkern gleichsam von unten her unterlaufen und 'austrocknen', wie es Cobden, Bright und ihren Anhängern vorgeschwebt hat." !

Nachweis: Bernd-Jürgen Wendt: Freihandel und Friedenssicherung. Zur Bedeutung des Cobden-Vertrags von 1860 zwischen Frankreich und England, VSWG 61 (1974), 29-64, hier: 60f., unter Verwendung zweier Zitate von Richard Cobden, zitiert nach William Harbutt Dawson, Richard Cobden and Foreign Policy. A Critical Exposition, With Special Reference to Our Dan and its Problems, London: George Allen & Unwin, 1926, 294f..

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