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28
Apr
2005

Kampfloser Sieg

"Das abgehackte Glied der Landzunge endete in einem senkrechten Fall, einer lehmroten Rauheit, aus der Blut quoll, und darunter lag nur des Wasseres endlose und undurchsichtige Ruhe. Irgendwo unter der Oberfläche war die Stadt, die zu plündern sie gekommen waren, die Tempel zu schleifen, Männer und Frauen niederzuhauen, Kinderköpfe gegen verschwundene Mauern zu schmettern, alles verschwunden, außer Reichweite gesunken, immer noch zu erledigen."

In Norfolks "Ein Nashorn für den Papst" erreichen Heinrich der Löwe und seine Truppen auf dem Eroberungszug in Mecklenburg und Vorpommern Usedom, um die reiche heidnische Handelsstadt Vineta zu erobern. Sie müssen feststellen, dass die Stadt kurz zuvor in einer Sturmflut untergegangen, die Landzunge, auf der sie lag, weggespült worden ist. Auf dem verbliebenen Stück Ufer, von dem die Stadt abgerissen wurde, wird eine Kirche errichtet, die jedoch auf schwankendem Torf und Lehm erbaut ist. Die Handwerker pfuschen, da sie rechtzeitig zum Baubeginn des Straßburger Münsters fertig sein wollen. Als 1273 französische Mönche eintreffen, um ein neues Jerusalem (oder zumindest ein Santiago de Compostela) an der Ostsee zu übernehmen und auszubauen, ist die Kirche von Wind und Bodenabsenkungen schwer gezeichnet. Dreiundzwanzig Äbte und unendliche, sich monatlich wiederholende Reparaturarbeiten später bricht die Rückwand der Kirche in die Ostsee. Der amtierende Abt ist greise, inkontinent und blickt tagein, tagaus stumm aufs Meer. Der Prior bemüht sich, seine Mönche auf die Welt vorzubereiten, um das Kloster verlassen zu können, doch sie ergehen sich in theologischen Disputen über die Zeichenhaftigkeit von Elefanten, Wachteln und der Insel Taprobane, von der das Tapir kommt. Prior Jörg verzweifelt: "Du bist völlig auf dem Holzweg. Es ist das keine Frage der Lehre, sondern eine Insel. Dies ist die Welt in der wir leben." Und erkennt, dass sein Kampf gegen die Weltfremde hoffnungslos ist.

Nachweis: Lawrence Norfolk, Ein Nashorn für den Papst, aus dem Englischen von Gisbert Haefs, Hanswilhelm Haefs, Gerald Jung und Gisela Stege, München: Albrecht Knaus, 1996, S. 35f., 64.

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