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19
Jul
2005

Niemand ist so wie ich.

"The choice of an individual example to be studied in depth may be prompted by the fact that it represents in miniature a situation that the historian or anthropologist already knows (or other grounds) to be prevalent."

Mit anderen Worten: individuelle Schicksale wiederholen sich tausend-, zehntausend-, millionenfach. Und deshalb kann man daran, dass man einen Fall studiert mehr lernen als nur alles über diesen Fall. Aber man kann an einem Fall nicht die ganze Welt verstehen. Denn der Fall ist nicht die Welt, und er kann nicht für alles repräsentativ sein, was in ihr geschieht und vorhanden ist. Jedes Teil unseres Schicksals mögen wir mit jemandem, hunderten oder tausenden von Menschen teilen, aber niemand außer uns selbst erlebt alle Teile zusammen genauso wie wir. Man mag an uns Bestandteile von Idealtypen finden, aber wir sind nicht diese Idealtypen, niemand "ist" sie. Sie sind Konstrukte. Sie helfen vielleicht, uns zu verstehen und zu erklären, vielleicht aber auch, uns mißzuverstehen. Aber wir sind mehr als sie und vollständig durch niemanden zu erklären und zu verstehen, nichtmal durch uns selbst. Wir sind auch gar nicht wir, sondern ich, du, er und sie. Manchmal sind wir wir, aber nie ganz, jeder von uns ist immer mehr als das Kollektiv, und gleichzeitig (schon zahlenmäßig) weniger. Deshalb sind wir interessant: jeder von uns ist anders, und damit den anderen rätselhaft.

Nachweis: Peter Burke, History & Social Theory, Cambridge, UK: Polity Press, 1992, S. 41f.

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ignatz11 - 2005-07-20 17:37
Nachvollziehbar, aber letztlich enttäuschend: Individualität als bloßes Mischungsverhältnis.
chigliak - 2005-07-20 20:28
Vielleicht ist es auch nur eine Seite der Medaille und es gibt zusätzliches, das niemand mit mir gemeinsam hat. Aber um das zu studieren, wird der Sozialhistoriker nicht kommen...
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