Die Herde
"Angesichts der penetranten Wiederkehr der hysterischen Massenfrömmigkeit, angesichts der Beliebtheit von nach rechts oder zumindest nach Ernst Jünger riechenden Büchern wie dem Eisvogel von Uwe Tellkamp und der verräterischen Begeisterung des Feuilletons darüber, angesichts des immer reaktionärer und unlesbarer werdenden Spiegels, angesichts der gebetsmühlenhaften Rot-Grün-Verhöhnung, angesichts der entenhaften Sympathiekundgebungen von Alice Schwarzer, Monika Maron und Wolfgang Joop für die im Aufwind schnatternde CDU-Ente und der billigenden Inkaufnahme der sie umschwirrenden Kompetenzfalter, würde ich meine konservativen Anwandlungen so lange zurückstellen, bis die Linke stärker geworden ist."
Ein Kollege erzählte heute morgen, bei Sabine Christiansen (ohne selbige) habe die versammelte Runde von Medienschaffenden gestern nach dem Spitzenkandidatenduell immer wieder gelobt, wie gut sich Angela Merkel geschlagen habe. Er bemerkte weiterhin, dass auf das Ergebnis einer Umfrage, nach der 55 Prozent Gerhard Schröder und nur 30 Prozent Merkel als GewinnerIn ansahen, niemand Bezug genommen habe. Und fand das alles fast so merkwürdig wie Frau Merkels Antworten gestern. Ich habe das Duell nicht gesehen, aber zum Glück heute morgen die taz gekauft. Dort schreibt nämlich der Schriftsteller Joseph von Westphalen oben zitiertes über den zunehmenden Eifer unter Intellektuellen und sonstigen Journalisten, ihre Affinität zum Konservatismus zu bezeugen und zu praktizieren. Eigentlich schreibt er aber über das Problem, das diejenigen haben, die offen zu Schröder halten: Man ist zwar nicht begeistert über das, was geboten wird, will aber auch nicht, dass noch einfallslosere kommen und es darüber hinaus noch weniger sozial wird.
Nachweis: Joseph von Westphalen, »Seufzen, aber Farbe bekennen«, die tageszeitung vom 5. September 2005 (Nr. 7760, 27. Jahrgang), S. 13. Online hier zu finden. Bitte taz-online-abo nicht vergessen.
Ein Kollege erzählte heute morgen, bei Sabine Christiansen (ohne selbige) habe die versammelte Runde von Medienschaffenden gestern nach dem Spitzenkandidatenduell immer wieder gelobt, wie gut sich Angela Merkel geschlagen habe. Er bemerkte weiterhin, dass auf das Ergebnis einer Umfrage, nach der 55 Prozent Gerhard Schröder und nur 30 Prozent Merkel als GewinnerIn ansahen, niemand Bezug genommen habe. Und fand das alles fast so merkwürdig wie Frau Merkels Antworten gestern. Ich habe das Duell nicht gesehen, aber zum Glück heute morgen die taz gekauft. Dort schreibt nämlich der Schriftsteller Joseph von Westphalen oben zitiertes über den zunehmenden Eifer unter Intellektuellen und sonstigen Journalisten, ihre Affinität zum Konservatismus zu bezeugen und zu praktizieren. Eigentlich schreibt er aber über das Problem, das diejenigen haben, die offen zu Schröder halten: Man ist zwar nicht begeistert über das, was geboten wird, will aber auch nicht, dass noch einfallslosere kommen und es darüber hinaus noch weniger sozial wird.
Nachweis: Joseph von Westphalen, »Seufzen, aber Farbe bekennen«, die tageszeitung vom 5. September 2005 (Nr. 7760, 27. Jahrgang), S. 13. Online hier zu finden. Bitte taz-online-abo nicht vergessen.
chigliak - 2005-09-05 16:39
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