este mundo y el mas alla

Kapitalismus und Höheres

"Der Fahrer hatte bis zur Hälfte des Weges mehrere vergebliche Versuche gemacht, sich mit den anderen Fahrgästen auf einen festen Preis zu einigen, damit den zu erwartenden Ausbeutungsversuchen des Taxifahrers begegnet werden konnte. Er scheiterte am Desinteresse seiner ausländischen Mitfahrer und murmelte etwas von idiotischen Kapitalisten, bevor er in resigniertes Schweigen verfiel.
Der Fahrer überhörte die Verdächtigungen großmütig und befragte den Missionar mit unverhohlener Dringlichkeit über die technischen Hintergründe der unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter. Es schien ein echtes Problem für ihn zu sein."


Detlef Blettenbergs Held Wolf Staßner (jetzt Richard Braunschweig) ist als Mörder in Ecuador unterwegs. Er soll einen (fiktiven) konservativen Präsidentschaftskandidaten bei den ersten freien Wahlen 1979 erledigen. Viel interessanter, ist aber, wie der damals amtierende Präsident (Marineadmiral Alfredo Poveda) zu seinem Amt kam (in echt!): Er half im September 1975 dem amtierenden Militär, Rodríguez Lara, sich gegen einen Putsch zu verteidigen, dessen Hauptgefecht um den Präsidentenpalast in Quito ausbrach, als der putschende Raúl González Alvear versuchte, aus einem gegenüberliegenden Bestattungsinstitut heraus Guillermo Rodríguez Lara zu stürzen. Das Scharmützel forderte 17 Todesopfer und 80 verletzte unter den Soldaten und beschädigte den Präsidentenpalast schwer. Poveda wurde 1976 unblutig González Alvears Nachfolger.

In den Abschnitt fährt Braunschweig gerade vom Flughafen durch Cuenca zur Hacienda eines Freundes des Präsidentschaftskandidaten, wo dieser sich auf den Wahlkampf vorbereitet. Mit dabei: ein ecuadorianischer Uhrenhändler, ein deutscher Vertreter (der später auf der Hacienda wieder auftaucht), ein amerikanischer Missionar (Evangelikaler?) und Braunschweig selbst, nach eigenen Worten Sozialtechniker. Sowie der um sein Seelenheil und die logische Kohärenz der christlichen Lehre bemühte Taxifahrer.

Nachweis: Detlef Blettenberg, Agaven sterben einsam, München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982 (Sammlung Deutscher Kriminalautoren), S. 128.

Die zwei Nachteile der Unsterblichkeit

"Pero ya he dicho que es sólo lo segundo peor, hay algo más lacerante, y es que ahora no sólo recuerdo lo que vi y oí y supe cuando fui mortal, sino que lo recuerdo completo, es decir, incluyendo lo que entonces no veía ni sabía ni oía ni estaba a mi alcance, pero me afectaba a mí o quienes me importaban y acaso me configuraban."

Erstmal, danke Javier Marías für ein neues Wort in meinem Wortschatz: lacerante, lt. Langenscheidts Handwörterbuch zu verwenden für reißenden Schmerz und gellende Schreie. Zweitens ist das zweitschlimmste, das nicht zitierte, der Verlust von Zeit und Linearität in der Unendlichkeit oder wie Damien Hirst kürzlich in der Süddeutschen sagte (ich zitiere aus dem Gedächtnis sicher falsch das Vorlesen des Zitats in einem Kulturradio): "Ewigkeit ist sicher eine großartige Erfahrung, zumindest eine Zeitlang." Was den Unsterblichen bei Marías aber wahnsinnig macht, ist das totale Gedächtnis, das er nun besitzt und das ihn zwingt immer und immer wieder sein gesamtes, kurzes sterbliches Leben zu erinnern, mit den zuvor ungekannten Lebenslügen der Eltern, den Umständen, die zur eigenen Ermordung führten und den Voraussetzungen und Folgen aller kleineren Verfehlungen zwischendurch.

Da versteht man nur zu leicht, dass Gespenster sich mit dem Erschrecken von Sterblichen ein wenig zu erholen versuchen...

Nachweis: Javier Marías: »Cuando fui mortal«, in: ders.: Cuando fui mortal, Madrid: Alfaguara, 1996, S. 83-101, hier: 86.

Dachsbauagenturwerber

"The horror mounts as we realise this is a description of ourselves, pursuing ends that, as soon as we step outside their logic, seem appallingly trivial. All we are doing is wasting tume until we die. The Office is Kafka made for primetime television."

The Office ist das britische Original von Stromberg. Und die erwähnte Kurzgeschichte von Kafka ist Der Bau, in der ein Dachs fein und ohne zu zweifeln erklärt, wie er einen Dachsbau baut. Was das alles miteinander zu tun hat? Das obige Zitat ist aus einer Buchbesprechung in der Kulturbeilage der Sunday Times über Then We Came to the End von Joshua Ferris, einem Buch, in dem es offenbar um den Alltag der Menschen in einer Werbeagentur in Chicago geht, um ihren Überlebenskampf um kleine Privilegien (kostenlose Bagels) und symbolische Beförderungen (vom creveep zum ackveep) und um das Problem, dass Menschen in Werbeagenturen zwar furchtbar wichtig sind, aber letzlich vor allem die Produktion anderer verkaufen. Das macht sie zwar nicht unnütz, aber ihre Nützlichkeit ist erst die erste Ableitung der Arbeit anderer. Uns Wirtschaftshistorikern geht es ... wir produzieren Deutungen der Leistungen und Fehlleistungen anderer, manche von uns sogar der Werbeagenten von anno dazumal. Wir haben nichtmal einen Wasserspender im Büro, und nur eine sehr billige Kaffeemaschine.

Nachweis: Bryan Appleyard: »You'd be mad to work here. A book about office life is the hot topic around the water coolers of America. So is there romande in the daily grind after all?«, The Sunday Times Culture, 1. April 2007, S. 8f.

Wie traurig ist das?

"»Wie traurig ist das!« sagte Dorian Gray leise und wandte die Augen nicht von seinem eigenen Bildnis. »Wie traurig ist das! Ich werde alt und grässlich und widerwärtig werden, aber dieses Bild wird immer jung bleiben.«"

Es kommt umgekehrt.

Nachweis: Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray. Deutsch von Hedwig Lachmann und Gustav Landauer. Mit einem Essay von Norbert Kohl, Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1985 (= it 843; 9. Druck 1997), S. 39. Original von 1890.

Das kommt davon...

"Tengo una mezcla de bronca, tristeza y ganas de llorar. Es un bajón perder así. Ayer me gasté todo y compré el plasma, estaba seguro de que pasábamos a la semifinal. Me quiero morir, tendría que haberlo visto en el otro televisor, aunque sea por cábala."

Ein enttäuschter Bonairenser namens Sebastián Izquierdo schiebt die Schuld mal nicht auf den Schiedsrichter, nicht auf den Trainer, sondern auf seinen neugekauften Plasmafernseher.

Nachweis: zitiert nach Soledad Vallejos, »Una tarde de lágrimas y cabezas bajas«, in: La Nación vom 1. Juli 2006, abgerufen unter dieser Adresse am 1. Juli um 12:10 Uhr MESZ.

Kardinalfehler

"»Man denkt manchmal nur noch daran, wie alles mal gewesen ist, statt, wie man es besser machen kann«, sagte mein Vater. »Tu das nicht.«

Joe Brinsons Vater ist vom Waldbrandlöschen zurück und hat gerade versucht, das Haus von Warren Miller anzuzünden. Zum Glück ist er - obwohl in Montana - weder gelyncht noch verhaftet worden. Da kann man dem Sohn schonmal Ratschläge geben.

Nachweis: Richard Ford, Wildlife. Wild leben, übersetzt von Martin Hielscher, Frankfurt am Main: S. Fischer, 1991, S. 185.

Der Menschen Antrieb

"Ich hab ja ewig gebraucht, bis ich entdeckt hab, oder nein, bis ich anerkannt habe, daß meine Faulheit eine große Kraft ist, daß ich die nicht verurteile, sondern hege und als Motor benutze. Triffst du einen in der Kneipe, einen Kollegen, fragt der, was man so macht. Und anstatt beherzt »gar nichts« zu sagen, überlegt man dann, was man da so an Mickrigkeiten vielleicht doch vorzuweisen hat."

Es spricht Thomas Kapielski, und über diesen Worten prangt ein Foto, das der Autor geschossen hat: ein Eckhaus (in eienr deutschen Großstadt, denn die Telefonnummer ist siebenstellig) mit Ladenlokal: darüber das Schild "Pudelsalon", in den Schaufenstern Fotos von Pudeln und insgesamt dreimal die Versicherung: "Pflege aller Rassen". Und die Tür mit einem Gitter gesichert, damit Pudel (Caniche) und alle anderen Rassen nicht außerhalb der Geschäftszeiten sich Zutritt verschaffen. Großartig, dieses Ensemble, wie das ganze - wohl derzeit nicht zu habende - Werk "Aqua botulus" bei Zweitausendeins.

Nachweis: Thomas Kapielski, Aqua botulus, Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 2000 (1. Auflage der durchgesehenen Neuausgabe), S. 126f.

Simonie

"»Ich habe meinen Verstand schon vor zehn Jahren an Chigi verpfändet. Um den Preis meines Pferdes, wenn ich mich recht entsinne, was nicht der Fall ist. Mit meinem Gedächtnis habe nämlich ich seine Hufeisen bezahlt.«
»Und mit Eurer Seele?«
»Habe ich das hier gekauft.« Bibbiena legt den Finger auf seinen Kardinalshut. »War fast geschenkt.«"


Kardinal Bernardo Dovizi (1470-1520), nach seiner Heimat Bibbiena genannt, war päpstlicher Kämmerer und einer der wichtigsten Vertrauten von Leo X., der hier sein Gesprächspartner ist. In Lawrence Norfolks Ein Nashorn für den Papst. Das Nashorn ist auf Seite 744 schon in Rom, aber keiner weiss wo und wie. Verraten wird's eh nicht.

Nachweis: Lawrence Norfolk, Ein Nashorn für den Papst, aus dem Englischen von Gisbert Haefs, Hanswilhelm Haefs, Gerald Jung und Gisela Stege, München: Albrecht Knaus, 1996, S. 744f.

Benedikt XVI.

"jetzt werden die deutschen abheben: schumacher und ratzinger - das ist zu viel für sie."

ferromonte über das Ergebnis des Konklaves.


"Conversamos amenamente. Tenía una serenidad y humildad increíbles. No es efusivo, pero es bondadoso. Hablamos en mi chaupi (medio, poco) alemán. Le referí de la ciudad, de los incendios y otras cosas. Él siempre me decía schoen, schoen (hermoso). Dijo que aquí se nota vida cristiana y por eso estamos complacidos en ayudar."

Mons. Hugolino Cerassuolo, heute Bischof von Loja, erinnert sich an einen Spaziergang, den er mit zitternden Nerven an der Seite Erzbischof Ratzingers im September 1978 anläßlich des zweiten nationalen Marienjahres durch die Innenstadt von Guayaquil machte: "Estábamos en la Casa Arzobispal y le ofrecí salir a dar una vuelta. Me dijo con mucho gusto. Me fui a sacar el carro, pero me pidió que camináramos. Casi me desmayo, pues había mucha delincuencia y quise llamar a la Policía. [...] Estuvo sereno, fuimos por Luque y salimos al Centenario, que era un sitio peligroso, pero encontramos a varias personas buenas que nos cuidaban. Luego, por Nueve de Octubre avanzamos a Chile y volvimos a la Catedral."

Ratzinger weihte damals die Kirche Nuestra Señora de la Alborada, die den dortigen Marienkult spürbar belebte. Erzbischof Mons. Antonio Arregui (Guayaquil) traf Ratzinger 2003 anlässlich des 25-jährigen Jubiläums von Johannes Paul II. wieder und bestätigte jetzt: "Saludamos en Roma, en la casa del cónclave en Santa Marta, y él desde luego se acordó de Guayaquil, inclusive me preguntó cómo iba la iglesia de la Alborada que él consagró. Hay una relación de todo el Ecuador con el Pontífice."

EDIT: Der damalige Papst besuchte übrigens 1985 selbst ebenfalls die Kirche. Siehe hier.

EDIT2: Inzwischen hat das Online-Kasino GoldenPalace.com (kein Link) für 188.938,88 Euro einen 1999 erstzugelassenen VW Golf, dessen Vorbesitzer Joseph Ratzinger war, bei eBay ersteigert. Dessen derzeitiger Eigentümer, ein 21-jähriger Zivildienstleistender aus Olpe im Sauerland war mehr als zufrieden mit dem Ergebnis, hatte jedoch zunächst erwogen, eBay zu verklagen, da wegen starker Belastung des Servers in der Endphase offenbar nicht alle Gebote rechtzeitig verarbeitet wurden bzw. abgegeben werden konnten. Für eBay war es mit mehr als 9 Millionen Zugriffen (und 227 Geboten) eine der meistbeachteten Auktionen überhaupt.

Nachweis: ferromonte, »der ratzinger:«, online unter http://ferromonte.twoday.net/stories/637953/ am 19. April 2005, 18:53 Uhr, abgerufen am 20. April gegen 11 Uhr; und El Universo, »Las huellas de Ratzinger, en Guayaquil«, El Universo vom 20. April 2005, sección Internacionales, abgerufen online hier am 20.4.05 gegen 13:40 Uhr sowie ebendort, »Arregui, complacido«, abgerufen hier am 20.4.05 gegen 13:45 Uhr.
@dho mit Material von ddp, dpa, »Ratzinger-Golf: „Ich bin mehr als zufrieden”«, auf FAZ.net abgerufen unter dieser Adresse am 8. Mai 2005 gegen 20:40 Uhr.

Ein entschiedener Mann ist gegangen

"Ich bete für ihn, so wie er für mich gebetet hat, für Frieden. Er war ein Mann des Friedens und unterstützte die Vereinten Nationen. [...] Er war stets besorgt um die Welt, in der wir leben. Und wie ich glaubte er, dass es im Krieg nur Verlierer gibt."

Kofi Annan über den verstorbenen Johannes Paul II. (http://www.vatican.va/).

Nachweis: Spiegel online, »"Er war mir ein echter Freund, es blutet mir das Herz"« [Zitat von Erzbischof Kardinal Joachim Meisner], online abgerufen am 2.4.2005 gegen 23.55 Uhr unter http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,349437,00.html.
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