fomento y derrumbe

Wein in den Mörtel

"Überschüssiger Wein wurde oft gratis verteilt oder auf die Straße geschüttet, damit die Fässer bei der Weinernte für die neue Produktion genutzt werden konnten. Auch der schon zitierte Sanz y Baeza konstatierte ähnliche Probleme in Navarra, wo man ebenso wie in der Rioja, nicht selten Wein für die Mörtelherstellung beim Häuserbau benutzte, da das Heranschaffen von Wasser teurer war."

Paradiesische Zustände, sollte man meinen. Tatsächlich aber eine Überproduktionskrise von qualitativ schlechtem, nicht besonders haltbarem (und daher kaum exportablem) Wein in Nordspanien (Navarra und La Rioja) in den späten 1850er Jahren.

Nachweis: Ludger Mees, »Modernisierung und Interessenpolitik in der Rioja und in Navarra«, in ders., Klaus-Jürgen Nagel und Hans-Jürgen Puhle, Kampf um den Wein. Modernisierung und Interessenpolitik im spanischen Weinbau. Rioja, Navarra und Katalonien 1860-1940, Wien: Verlag für Geschichte und Politik, und München: Oldenbourg Verlag, 2005 (= Studien zur Geschichte und Kultur der Iberischen und Iberoamerikanischen Länder / Estudios sobre Historia y Cultura de los Países Ibéricos e Iberoamericanos, 10), S. 44.
Verweise u.a. auf Florencio Sanz y Baeza, Estadística de la Provincia de Navarra, Pamplona 1858, S. 157, sowie auf einen Vortrag des Apothekers und Winzers José Elvira auf der Madrider Agrarausstellung von 1857 in Memoria sobre los productos de la agricultura española reunidos en la Exposición General de 1857, Madrid, 1859-61, S. 991f.

Unverhofft kommt

"Ich habe schon schlechtere Filme gesehen - aber das waren Pornos."

Ein Besucher der Münsteraner Sneak Preview vom 18.10.05 über Keine Lieder über Liebe mit Jürgen Vogel und Heike Makatsch. Ich habe gestern dort einen noch schlechteren Film gesehen: Hustle and Flow mit Terrence Howard und Ludacris. Muss dann wohl ein Porno gewesen sein (allerdings ab 12 freigegeben).

Nachweis: m 25, zitiert nach: Keine Lieder über Liebe. Besucherkommentare zur Sneak-Preview Nr. 450 vom 18.10., in: KINO aktuell (Münster) 44/05, 3.-9. November, S. 56.

Schreibt man so Architekturgeschichte?

"Antítesis plástica e ideológica de los regionalismos, el modernismo se apodera de Barcelona, desde donde irradia a toda Cataluña. [...] Necesitada de una estética propia, Barcelona se agarró con fervor al modernismo hasta hacer de su ensanche un auténtico museo al aire libre. Su carrera se hace vertinginosa a partir de 1905, cuando la burguesía catalana lo asuma como estilo »nacional« de institucionalizar Cataluña, tarea en la que colaborarán arquitectos del prestigio de Domenech, Puig i Cadafalch o Rubió, exagerando las diferencias culturales con el resto de España."

In jedem Fall haben García de Cortázar und González Vesga, die Autoren der kurzen Geschichte Spaniens auf 680 Seiten, etwas gegen jede Äußerung baskischer oder katalonischer Eigenständigkeit. Sie betonen an jeder Ecke, es seien Konstrukte des 19. und 20. Jahrhunderts, loben die Jahre, in denen die Regionalismen schwach waren und können sich selbst in der Kunstgeschichte, hier am Beispiel des Eixampel (span. ensanche) in Barcelona entsprechende Seitenhiebe nicht verkneifen. Man muss ihnen zwar zugestehen, dass das aufstrebende Bürgertum Barcelonas und die Wiederbelebung katalonischen Nationalismus miteinander zu tun haben, aber nicht notwendigerweise muss die gesamte Wirtschafts-, Politik-, Sozial- und Kulturgeschichte immer unter das „Wenn Spanien einig war, war alles gut, wenn die Regionen auf Dezentralisierung oder Eigenständigkeit drängten, war das schlecht“-Motto des Buches unterordnen. Das lässt einen merkwürdigen Beigeschmack von Unterordnung der Geschichte unter tagespolitische Interessen: Als das Buch bzw. seine Neuauflage geschrieben wurde, hatten Convergència i Unió und die mir auch nicht besonders sympathische Baskische Nationalpartei (PNV) gerade eine starke Stellung, die sie ziemlich zugunsten ihrer Stammlande und ihrer Wählerschaft ausnutzten. Aber muss man deshalb mittelalterliche Basken für ihre Zusammenarbeit mit der spanischen Krone loben oder oben genannte Architekten für ihren Stil kritisieren?

Nachweis: Fernando García de Cortázar und José Manuel González Vesga, Breve Historia de España, Madrid: Alianza, 2000 (Alianza »Área de conocimiento: Humanidades«), S. 524f. (Originalauflage ebendort 1994).

Marodes Schiff und eiserner Wille

"Wie kommt es, daß kein einziges Stück Holz an diesem Schiff in den letzten zwanzig Jahren einen Teerquast zu sehen gekriegt hat? Und noch etwas: Wie kommt kes, daß dieser wurmstichige, faulende, verschimmelte Pißpott überhaupt noch schwimmt?"

Schiffszimmermann Ruggero über die "Lucia", ein Schiff, das unter der Leitung eines Alkoholikers mit einer Mannschaft aus Anglern (nicht Fischern, wie man beim Anheuern dachte) auf dem Weg nach Afrika ist, um im Auftrag Ferdinands von Spanien von Ostia nach Afrika unterwegs ist, dem Papst ein Nashorn zu besorgen, dass dann gegen dessen Elefanten Hannibal kämpfen möge. Mit an Bord: der in Ungnade gefallene Hauptmann Diego, der hofft, dass Ferdinand ihn endlich anhören und rehabilitieren möge, unsere Freunde Salvestro und Bernado, die als nützliche Narren einer als erfolglos angelegten Expedition angeheuert wurden, und eine entflohene schwarze Sklavin, die in Wirklichkeit eine Königstochter ist. Deren Wille ist es letztlich, der das Himmelfahrtskommando sehr viel näher an das nominelle Ziel herankommen lässt, als alle Außenstehenden gedacht hätten.

Die Usedomer Mönche sind übrigens in Rom geblieben.

Nachweis: Lawrence Norfolk, Ein Nashorn für den Papst, aus dem Englischen von Gisbert Haefs, Hanswilhelm Haefs, Gerald Jung und Gisela Stege, München: Albrecht Knaus, 1996, S. 601.

Bruchbude

"Als sie früher an jenem Nachmittag nach dem Pilgerstab gefragt hatten, waren Pater Jörg, Salvestro, Bernardo, Hans-Jürgen und die übrigen Mönche angewiesen worden, von der Piazza aus nach links in das »trostlose Rattenloch naben dem Albergo del Sol« einzubiegen, dann wieder links »die offene Kloake der Via dell'Elefante« hinab, der »trübsinnigsten der drei Gassen, nach Osten zu folgen, bis man sich fühlt, als wolle man sich umbringen«, und sich schließlich vor etwas einzufinden, »das aussieht wie Sodom, nachdem Lot abgereist ist - ihr werdet es an der Düsternis erkennen«. Das sollte sich bald als Schmeichelei erweisen."

Prior Pater Jörg und seine Usedomer Mönche sind in Rom angekommen. Sie wohnen in einem Saal in einer extrem heruntergekommenen Herberge, deren Besitzer die Fenster zugemauert hat, damit die Gäste nicht heimlich durch sie verschwinden können. Immerhin aber gewinnt Pater Jörg einen Argumentationswettbewerb mit Kardinal Serra (der hier?), weshalb Salvestro und Bernado nur von dessen Truppen zusammengeschlagen, aber nicht gefangen genommen werden...

Die Usedomer sind in Rom, um Christus endlich eine ordentliche Kirche zu bauen. Darum geht Jörg als Bittsteller zu Papst Leo X.. Der war übrigens ein Medici und direkter Vorgänger des kürzlich vielzitierten Hadrian VI.

Nachweis: Lawrence Norfolk, Ein Nashorn für den Papst, aus dem Englischen von Gisbert Haefs, Hanswilhelm Haefs, Gerald Jung und Gisela Stege, München: Albrecht Knaus, 1996, S. 272.

Volksarchitektur

"Developers of McMansions intend each house to look different. However, this individuality is sometimes seen as superficial, as the exteriors draw on a limited range of features (often taken from traditional styles of architecture) and the interiors share many similar features."

Aus dem Wikipedia-Artikel über "McMansions", jene Pseudo-Herrensitze, die gehobene amerikanische Wohnviertel bevölkern. Warum sie so heißen? Weil sie einerseits wie Villen aussehen wollen und andererseits vergleichsweise billig gemacht seien und sich in den 1980er und 1990er Jahren wie McDonald's Restaurants aus dem Boden schossen. Schön ist in diesem Zusammenhang auch die Definition von Faux Chateau: "The term faux chateau satirically refers to the adaptation of an idyllic French château into a typical suburban family home that is characterized primarily by its misuse of architectural concepts and incorrect detailing and/or proportioning."

Nachweise: Wetman, Leonard G. u.a., »McMansion«, online unter http://en.wikipedia.org/wiki/McMansion.
Emersonbiggins, Anateus Feldspar u.a., »Faux Chateau«, online unter http://en.wikipedia.org/wiki/Faux_Chateau.
Beide Artikel abgerufen am 16. April 2005 gegen 18:45 Uhr. Beide genannten Artikel sind unter GNU FDL lizenziert.

Über Gejammere und seinen Zweck

"Obschon von 1819 bis 1862 rund 3 Mill. Thlr. für Regulierungsarbeiten an der Oder verausgabt wurden, war so wenig erreicht, daß nach einem Bericht [der Handelskammer Breslau] von 1862 mehrere Ende Juli in Brieg mit Mehl beladene Kähne im November in Breslau ausgeladen werden mußten, nachdem sie in drei Monaten einen Weg von sechs Meilen zurückgelegt hatten. Derartige Kuriosa aus dem Jahrhundert des Verkehrs lassen sich beliebig vermehren; es sei nur noch an eine bewegliche Klage der Berliner Kaufmannschaft aus dem Jahre 1863 über denselben Gegenstand erinnert, wonach ein dortiges Haus eine Sendung aus Japan über Hamburg früher erhielt, als eine zu gleicher Zeit in Schlesien flußwärts verladene Warenpost. Allein solchen Klagen ist nicht allzuviel Wert beizumessen, sie entspringen dem Wunsche, den Staat zu Aufwendungen zu veranlassen, damit die Verfrachtet den auf Kosten der Gemeinschaft verbesserten Wasserweg unentgeltlich benutzen können, anstatt die etwas höheren Frachten für den Transport auf den Eisenbahnen zu bezahlen."

Nachweis: D.G. Giersberg, Die Bedeutung der Wasserstraßen im östlichen Deutschland für den Transport landwirtschaftlicher Massengüter, in: Verein für Socialpolitik (Hg.) Die Schiffahrt der deutschen Ströme. Untersuchungen über deren Abgabenwesen, Regulierungskosten und Verkehrsverhältnisse, Bd. 1, Leipzig: Duncker & Humblot, 1903 (= Schriften des Vereins für Socialpolitik 100), S. 131-245, hier: S. 134f.

Die armen Autobahnen...

"Der Nationalsozialismus, der sich als «Bewegung» von allen bisherigen Parteiungen abzusetzten versuchte, wollte sich mit der Autobahn ein Denkmal setzen, das zeitgenössisch denn auch mit fast allen großartigen Bau-Zeugnissen der Menschheitsgeschichte verglichen und in Millennien visioniert wurde. Ein Denkmal, das die «Volksgenossen» buchstäblich erfahren sollten. Entsprechend wurde die Autobahn mit Ansprüchen überfrachtet. Als sichtbarer Beweis für die Ganzheit der «Deutschen Technik» sollte sie die Versöhnbarkeit von Natur, Kultur und Technik demonstrieren und darüber hinaus die allseitige Verschmelzung zur «Volksgemeinschaft». Kaum etwas, das zu verbinden und auszugleichen ihr nicht programmatisch aufgegeben wurde: Bauern und Arbeiter, Ingenieure und Architekten, Mensch und Maschine, Arbeit und Freizeit, Tradition und Zukunft, die verschiedenen Gäue und Stämme, Stadt und Land und vor allem und immer wieder: Natur und Technik."

Die Berliner Avus (1921) und die heutige A555 zwischen Köln und Bonn (1932) wurden übrigens schon vor 1933 eröffnet.

Nachweis: Erhard Schütz, Der Volkswagen, in: Hagen Schulze und Etienne François (Hgg.), Deutsche Erinnerungsorte I, München: Beck, 22001, S. 352-369, hier: 356.

Fledermausplage in Aracataca

"El encanto y el misterio de la casa del Premio Nobel de Literatura, Gabriel García Márquez en su natal Aracataca sucumbieron ante una plaga de murciélagos que ocupa la vivienda donde el Nobel colombiano recreó Cien años de soledad."

Gabos Geburtshaus, in das er bei seinem letzten Besuch in Aracataca 1983 nicht eintreten wollte und dass durch Zementboden und andere Remodellierungen wenig an 1928 erinnert, wird also von Fledermäusen geplagt. Der örtliche Professor und Historiker Giovanni Mulford bat, man möge sich doch der Sache annehmen, damit die Fledermäuse nicht dem Haus ein Ende bereiteten. Er schlug einen weltweiten Kreuzzug zur Rettung dieses Weltkulturerbes vor.

Nachweis: Plaga de murciélagos invade casa de García Márquez en Aracataca, in: La Crónica de Hoy (Mexiko) vom 3. Januar 2005, abgerufen am 22.1.05 gegen 12:50 Uhr unter http://www.cronica.com.mx/nota.php?idc=160270; es handelt sich um eine Version einer Meldung von Edelmiro Franco, dem Notimex-Korrespondenten in Bogotá, vom 2.1.05.
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