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heroes y perdedores

Guayaquil ist zu heiss für Anicic

"La alta temperatura y el extenuante trabajo físico al que se somete el plantel de Barcelona fueron demasiado para el serbio-alemán Michael Anicic (34 años), quien no pasó los cuatro días de prueba, y al tercero (el pasado miércoles) pidió no entrenar en la mañana por el agotamiento físico, y en la tarde, luego de quince minutos de fútbol, se retiró del equipo."

Erinnert sich noch jemand an Michael Anicic? Der hat mal für Eintracht Frankfurt ein gefeiertes Bundesligadebüt gegen Bayern München gegeben und ist dann nach Verletzungen und Tingeleien nach der Saison 2007/08 bei Darmstadt 98 ausgemustert worden. Er wollte dann in die Hessenliga zum RSV Würges wechseln, was an irgendeinem Formfehler scheiterte, durch den er keine Spielgenehmigung erhielt.

Nun, seit Montag hat er ein Probetraining bei Barcelona SC Guayaquil, dem in den letzten Jahren eher erfolglosen vielmaligen ecuadorianischen Meister bestritten. Sein Trainer war dort Benito Floro, der immerhin von 1992 bis 1994 Cheftrainer von Real Madrid war und auch schon Villarreal, Real Mallorca, Sporting Gijón, CF Monterrey und andere betreut hat. Unter Eduardo Maruri hat Barcelona große Pläne und Anicic wäre vielleicht gern dabei gewesen. Leider ist es aber in Guayaquil immer sehr heiss und man schwitzt eine Menge... Anicic kam damit nicht klar (Diario HOY schrieb, er habe in jeder Pause bis zu drei Flaschen Wasser zu sich genommen) und entsprach wohl auch nicht den Wünschen Floros. Sein Probetraining, von einem Spielervermittler initiiert und offenbar auch finanziert, endete bereits am Mittwoch ohne positives Ergebnis. Schade, hatten sich die ecuadorianischen Medien doch sehr auf den Bundesligaspieler gefreut.

Nachweis: Michael Anicic no soportó el calor, El Universo, 9. Januar 2008.

Dekadenz

"Die Gesellschaft, wenigstens die zivilisierte Gesellschaft, ist nie sehr geneigt, zum Nachteil derer etwas zu glauben, die zugleich reich und interessant sind. Sie fühlt instinktiv, daß das Benehmen wichtiger ist als die Moral, und nach ihrere Meinung ist die höchste Ehrbarkeit von geringerer Bedeutung als der Besitz eines guten Küchenchefs. Und schließlich ist es in der Tat ein schwacher Trost, wenn man erfährt, daß der Mann, der einem ein schlechtes Diner oder miserablen Wein vorgesetzt hat, in seinem Privatleben tadellos darsteht."

Gute Gesellschaft ist nämlich Kunst, und gute Absichten sind langweilig. Und kalte Entrees unverzeilich. Wem diese Maximen nichts sagen, wer sie nicht in Tiefe wie Breite mitempfindet, der sollte sich besser mit niederen gesellschaftlichen Positionen abfinden.

Nachweis: Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray. Deutsch von Hedwig Lachmann und Gustav Landauer. Mit einem Essay von Norbert Kohl, Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1985 (= it 843; 9. Druck 1997), S. 185f. Original von 1890.

Auch der Kaiser

"Selbst Franz Beckenbauer hätte in dieser Zeit [den zwei Jahren vor der WM, chglk.] Schwierigkeiten gehabt, alles richtig zu machen."

Jürgen Klopp zu Maybrit Illner bei berlin.mitte am 8. Juni 2006. Er meinte, die Aufgabe von Jürgen Klinsmann sei derart gestaltet gewesen, dass nie alle mit allem, was er tat, hätten glücklich sein können.

Nicht dazugehören

"That was all a lie. It was all a lie both ways. You did not need a girl unless you thought about them. He learned that in the army. Then sooner or later you always got one. When you were really ripe for a girl you always got one."

Harold Krebs kam zu spät aus dem Ersten Weltkrieg zurück, um in seiner Heimatkleinstadt als Held empfangen zu werden. Er wollte oder konnte nicht wie die anderen heiraten und im Versicherungsbüro seines Vaters arbeiten, ja nichtmal mit Mädchen ausgehen, nur Bücher über den Krieg lesen. Eine Zeitlang (ziemlich genau einen Monat lang) wurde das von seinen Eltern akzeptiert, dann begann seine Mutter zu fragen, anzustoßen, ihn zu nerven. Er sagt seiner Mutter, dass er niemanden liebt und sie auch nicht, er sieht sich das große Indoor Baseball-Spiel seiner Schwester an und geht weg. Nach Kansas City.

Nachweis: Ernest Hemingway, »Soldier's Home«, in: ders.: Selected Stories, Составителъ, автор прдисловия и литературоведческих справок И. Л. Фцикельщейи (oder so ähnlich), Moscow: Progress Publishers, 1971, S. 103-112, hier: S. 106.

Zuviel auf die Nuss bekommen

"»Listen,« the little man said. »I'm not quite right.«
»What's the matter?«
»I'm crazy.«
He put on his cap. Nick felt like laughing.
»You're all right,« he said.
»No, I'm not. I'm crazy. Listen, you ever been crazy?«"


Der kleine Mann ist Ad Francis, ehemaliger Preisboxer. Er wird nach einer Weile aggressiv und beginnt Leute zu beschimpfen und anzugreifen. Sein Kumpel Bugs schlägt ihn dann von hinten k.o. und alles ist erstmal wieder in Ordnung. Mr. Francis hat wohl zuviele Schläge eingesteckt und zudem seine Schwester (die offenbar nicht wirklich seine Schwester war) geheiratet und ist über den Trubel und die Schläge verrückt geworden. So erzählt uns wenigstens Hemingway.

Nachweis: Ernest Hemingway, »The Battler«, in: ders.: Selected Stories, Составителъ, автор прдисловия и литературоведческих справок И. Л. Фцикельщейи (oder so ähnlich), Moscow: Progress Publishers, 1971, S. 52-62, hier: S. 55.

Die Diktatur misstraut ihrer Unterdrückungskunst

"–Así que –prosiguió Castillo– dentro de unos años, por lo menos cinco calculo: porque a mí me toca la tarifa de los dirigentes: veinte años y un día, pero si hay suerte morirá algún Papa, habrá indulto especial, y luego está lo de la rendición de penas por el trabajo... O sea, entre pitos y flautas me quedo cinco años..., dentro de cinco años, por tanto, usted piensa seguir estando en la brecha, persiguiéndonos... ¿Todavía no habrá acabado lo que ustedes llaman «subversión comunista»?"

Der Kommissar Sabuesa von der Brigade zur Verfolgung kommunistischer Aktivitäten erinnert sich an das Verhör eines Führers der illegalen kommunistischen Partei im Gefängnis von Las Ventas in Madrid. Oder der Erzähler erzählt die Geschichte dem Autor, und Sabuesa ist nur eine der Personen des Romans, wer erinnert sich? Die Kommunistische Partei Spaniens zog nach Francos Tod wieder in das Parlament ein, ist aber heute – offenbar in der Sammelgruppierung Izquierda Unida enthalten – nicht mehr von tragender Bedeutung. Jorge Semprún, der die Geschichte wiedergibt, lebt aber immer noch. Er saß von 1943 bis 1945 im KZ Buchenwald, arbeitete von 1957 bis 1962 am Aufbau einer Untergrundorganisation der KP im franquistischen Spanien mit (in einem späten Kapitel des Romans wird einiges über diese Zeit deutlich) und wurde 1964 von dieser wegen seiner Kritik am Stalinismus von ihr ausgeschlossen. Er war unter Felipe González von 1988 bis 1991 Kulturminister Spaniens – als Staatenloser.

Nachweis: Jorge Semprún, Veinte años y un día, Barcelona: Tusquets, 2003 (6. Auflage Mai 2004), S. 118f.

Größer als Peter der Große

"Das aber hat Moreno für sein Volk gethan und hat es gethan in weniger als zehn Jahren. Wo sind je in einem Land, bei so beschränkten Mitteln, bei so vielen und so großen Schwierigkeiten, bei so wenig gutem Willen der Unterthanen, so reiche Früchte wahren Fortschritts erzielt worden? Wo ist ein anderes Volk zu finden, das sich in zehn Jahren aus dem Schmutz und der Barbarei zu solcher Blüthe erschwungen hätte? Wo ist ein anderer Staatsmann, der sich eines solchen Erfolges rühmen kann? Peter der Große von Russland, dessen Lebensgeschichte Moreno eifrig las und zum Vorbild nahm, hat das bei weitem nicht erreicht, was Moreno vollbracht hat, und darum steht es auch fest: Moreno war ein großer, ein gewaltiger Staatsmann, wie die Geschichte nur wenige aufzuweisen hat. Daß seine Erfolge jenseits des Oceans, in einem halbbarbarischen Lande von zehntausend Quadratmeilen und mit kaum zwei Millionen Einwohnern, errungen sind, das verringert nicht, sondern erhöht sein Verdienst. Nemo in patria propheta – lautet ein uralter Spruch der Erfahrung: Auch der größte Mann gilt wenig in seiner Heimat."

Es schreibt ein Jesuit. Gemeint ist Rechtsanwalt, Chemieprofessor und Staatspräsident Gabriel García Moreno. Und das Volk und Staatswesen von Ecuador zwischen 1860 und 1875. Der ecuadorianische Kongress hat übrigens nach García Morenos Ermordung am 6. August 1875 sehr wohl eine Lobrede auf ihn gehalten (ihm also die Geltung nicht versagt), die im zitierten Werk direkt im Anschluss (in deutscher Übersetzung) wiedergegeben ist.

Nachweis: Adolf von Berlichingen, SJ, Don Gabriel Garcia Moreno, Präsident der Republik Ecuador. En Leben im Dienste des Vaterlandes und des Glaubens, Einsiedeln – New York – Cincinnati – St. Louis: Gebr. Karl & Nikolaus Benzinger (bzw. Benzinger Brothers), 1884, S. 103f.

Sie haben es geschafft!

"Un vendedor de dulces en las carreteras de Imbabura cuando era niño; un recogedor de conchas de San Lorenzo (Esmeraldas) y un agricultor de Carchi integran, entre otros, la selección ecuatoriana de fútbol que hoy, desde las 16h00, busca la clasificación al Mundial de Alemania frente a su similar de Uruguay."

Édison Méndez, Félix Borja, Ulises de la Cruz (von denen oben die Rede ist) und die übrigen Mitglieder der ecuadorianischen Nationalmannschaft haben es geschafft. Durch ein 0:0 gegen Uruguay in Quito sind sie für die WM 2006 qualifiziert. Die Ecuadorianer feiern gerade auf den Straßen, es ist kein Durchkommen, aber trotzdem mal nicht die Hölle los...

Nachweis: El Universo, »Tricolor desborda emoción en lo más profundo del país«, 8. Oktober 2005, online hier abgerufen am 9.10.05, 1:45 MESZ, sowie El Universo, »Ecuador ya está en el Mundial«, 8. Oktober 2005, 17:49 Uhr Ortszeit, abgerufen online hier am 9.10.05, 1:43 MESZ.

Wege ins Abseits

"Sin tener con qué llenar el tiempo, cursó abogacía y se doctoró como sus compañeros; pero, a diferencia de éstos, mostróse reacio a ejercer la profesión. Detestaba los Códigos y el pululante mundo de los leguleyos y los chupatintas."

Das wird aus einem, der keinen so wegweisenden Onkel hat wie Xavier Sala-i-Martín. So sind die Menschen bei César Dávila Andrade: Sie ziehen sich auf das Land zurück, bekommen Lepra, verkaufen ihr Hab und Gut, um geheilt zu werden, und kehren dann gesund, aber entstellt aus Venezuela nach Hause zurück, wo sie deshalb von niemandem erkannt oder aufgenommen werden und in Armut vor sich hinleben. Immerhin: unser Protagonist hat bis zu seinem Tod überlebt.

Nachweis: César Dávila Andrade, »Lepra«, in: ders., trece relatos. Estudio introductorio y notas de Jorge Dávila Vázquez, Quito: Libresa, 1993 (= Colección Antares 90), S. 223-238, hier: 228.

Am Tag erstickt

"–¡Socorro, me ahogo!
Estábamos en medio de la gran plaza pétrea de los Franciscanos, próximos al monumento arzobispal, y en el centro de aquella extensión árida, alguien se ahogaba."


Der, der da in der Steinwüste zu ertrinken droht, ist der Bachiller Asuero, Protagonist einer der besten Kurzgeschichten von César Dávila Andrade. Sein Neffe Jorge Dávila Vázquez, selbst Schriftsteller und einer der führenden Literaturwissenschaftler Ecuadors, charakterisiert Asuero treffend: "... el desharrapado existencialista que se siente un ex-dios, por el hecho de haber sido en una de las etapas de su vida de pícaro, Cristo crucificado por unos sucres en una fiesta de pueblo." Die Welt des César Dávila (1918-1967) war bevölkert von Menschen wie Asuero, und Dávila war einer von ihnen, ein an sich selbst leidender, extrem ausdrucksstarker, alkoholkranker, in Ecuador sicher nicht immer seinem Können entsprechend gewürdigter Schriftsteller, Essayist, widersprüchlich und spannend. Wie Asuero, der Existentialist ist, aber gleichzeitig sich als "eine Nische, ein Loch des Nichts im Körper Gottes" ansieht und auf selbst auf die Fähigkeit zu atmen verzichtet hat, ohne Wünsche und immer am Ufer des Erstickens. Nochmal Dávila Vázquez: "Proclama Asuero, en un desgarramiento que, pese a todo, guarda una cierta alegría que le permite, en medio de su miseria, sonreír finalmente como un niño, tal como lo hacen esos héroes del llamado existencialismo cristiano, a la manera de los personajes de Georges Bernanos."

Nachweis: César Dávila Andrade, »Ahogado en los días«, in: ders., trece relatos. Estudio introductorio y notas de Jorge Dávila Vázquez, Quito: Libresa, 1993 (= Colección Antares 90), S. 123-126, hier: 123. Die Zitate von Dávila Vázquez stammen aus der Einführung, S. 45 & 47.
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