"Apenas hubieron pedido [el almuerzo, chglk.], José María comenzó a contarle su entrevista con Benedetto Croce. Pero Mercedes no escuchaba. Y es una lástima, porque la falta de atención de Mercedes Pombo va a impedirnos conocer el contenido de la conversación, uno de cuyos temas esenciales fue el papel de los filósofos -y más genéricamente también, de los intelectuales- en los sombríos tiempos de las dictaduras. Finstere Zeiten, «tiempos oscuros», decía José María."
Mercedes hatte nämlich am Vormittag im
Museo di Capodimonte in Neapel
Artemisia Gentileschis
Judit köpft Holofernes gesehen und war ob dessen Fleischlichkeit nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen als den, mit ihrem Gatten auf das Hotelzimmer zu gehen und ihre vom Hl. Augustinus lange behütete Unschuld zu verlieren.
Sie erinnert es zwanzig Jahre später und
Jorge Semprún führt uns vor Augen, wie
einzigartig die Erinnerungen des einzelnen sind (José María Avendaño hätte sich, wäre er nicht wenig später von einem Pöbel erschossen worden, auch an ein Gespräch mit Keynes im Jahre 1930 erinnern können, aber es sind nicht nur seine Begegnungen mit großen Männern, die ihn interessant machen).
Als Nebeneffekt zieht eine Postkarte von Mercedes' Sohn Lorenzo(möglicherweise infolge der Betrachtung gezeugt) den Wert ihrer eigenen Erinnerungen in Frage: Das Werk von Gentileschi hänge in den Uffizien in Florenz, nicht in Neapel. Mercedes hingegen erinnert, dort ein anderes, weniger eindrückliches Gemälde mit selbiger Thematik gesehen zu haben. (Tatsächlich gibt es aber in beiden Museen einen
Judit und Holofernes von Gentileschi, in Neapel die Version von 1612, in Florenz diejenige von 1620.)
Nun ja, in jedem Fall spielt Semprun meisterhaft mit Erinnerung, fehlendem Wissen, Wissensvorsprung, Rückgriffen, Subjektivitäten, Zitaten und allem, was die "objektive" Rekonstruktion von Ereignissen erschwert, und führt dem Leser dabei noch genüsslich alles vor Augen.
Zwanzig Jahre und ein Tag, das "eigentlich" von einem Zusammentreffen in der spanischen Nachkriegszeit (im Juni 1956) handelt, sollte jeder Geschichtsstudent am Anfang seines Studiums lesen. Es zeigt ihm wie diffizil sein Aufgabenfeld ist, und wie wenig von dem, was in der Vergangenheit war, ordentlich rekonstruiert werden kann. Und dass die "objektiven Tatsachen" dabei das uninteressanteste sein können.
Nachweis: Jorge Semprún, Veinte años y un día, Barcelona: Tusquets, 2003 (6. Auflage Mai 2004), S. 62.