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poder e impotencia

Blatter eint Bolivien

"El veto de la FIFA logró el milagro de unir incluso a los miembros de la Asamblea Constituyente, que aprobaron el jueves el primer artículo de la futura Constitución del país, tras diez meses de desavenencias e improductividad. Ese artículo establece que la práctica deportiva y la cultura física a cualquier altura son "derechos humanos universales", y fue aprobado en una sesión plenaria por 223 de los 255 asambleístas del foro, consenso nunca antes visto en Bolivia."

Die Fifa will internationale Fußballspiele über 2.500 m Höhe verbieten, was für Bolivien ein Problem ist... Präsident Evo Morales (von Bolivien, nicht vom Fußballverband!) hat daher eine Kampagne gestartet. Er bestritt mit seiner Kabinettsmannschaft schon Spiele im 3.577m hohen Hernando-Siles-Stadion in La Paz und auf dem Chacaltaya, einem 5.395 m hohen Berg (er erzielte 3 der 10 Tore beim Sieg seiner Mannschaft gegen die Universidad Mayor San Andrés). Geplant ist als nächstes ein Kick auf dem Sajama, auf dem am 2. August 2001 bereits ein Fußballspiel stattfand.

Nachweis: EFE, »Bolivia reivindica el 'fútbol de altura'«, El País (Madrid), 3. Juni 2007.

Wahlen in Ecuador

"Bien decía en Ecuadoradio el campeón mundial de marcha y ciudadano ejemplar de trabajo y sacrificio, Jefferson Pérez que el ecuatoriano debe valorar mejor su voto y no venderse tan barato por una camiseta, una funda de comida o cualquier regalo de los candidatos, que luego pasarán la factura al Estado en el caso de llegar al poder."

Alvaro Noboa (kein Link) hat es trotzdem so gemacht. Der reichste Mann Ecuadors hat Rollstühle, Reis, T-Shirts, offenbar sogar Bargeld verschenkt und sich so den Sieg im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl in Ecuador "erkauft". Bleibt zu hoffen, dass er wie 1998 und 2002 mit dieser Taktik im zweiten Wahlgang scheitert. Vom Wahlsieger sei zu erhoffen, dass er so regiere, dass es ihm nicht wie seinen Vorgängern ergehe, die beide gestürzt wurden.

Jefferson Pérez ist übrigens ein ecuadorianischer Geher und Volksheld, da er sowohl der bisher einzige Olympiasieger des Landes (Atlanta 1996) als auch ein sehr bescheidener Mensch ist, der aus armen Verhältnissen auf ehrliche Weise aufgestiegen ist.

Nachweis: Miguel Rivadeneira V., »Más allá de los resultados«, El Comercio vom 16. Oktober 2006, unter dieser Adresse abgerufen am 16. Oktober 2006, gegen 21:45 Uhr MESZ.

Commitment

"Cambodian Prime Minister Hun Sen said Tuesday that he will not permit a Miss Cambodia contest until the country's poverty rate drops to 15 percent from the current 35 percent."

Ein heroisches Unterfangen. Hoffen wir, dass er lange genug im Amt bleibt. Man sieht ja in (allerdings westlichen) Rekrutenkomödien immer wieder die Spindschranktürinnenseitenverzierung, auf die man vielleicht nicht dauerhaft verzichten möchte. (Die gibts aber hoffentlich ja auch aus ausländischer Produktion.)

Nachweis: "No Miss Cambodia contest until poverty rate drops to 15 % !"; gefunden bei http://www.stephan-engelkamp.de/, dortige Quellenangabe: ANTARA News, September 6, 2006 (ja, ist schon was älter die Meldung).

Elitekrise

"Dies bedeutet, dass die Eliten sichtbar werden, wenn sie eine schwache Perfomance leisten. Anders gesagt: »Intensivierte Kommunikation über Eliten ist ein Indiz für wachsendes Misstrauen ihnen gegenüber. […] Elitenthematisierung ist, so gesehen, ein Krisenphänomen.« (S. 31) Aus dieser Sicht könnte man schlussfolgern, dass die aktuelle Brisanz des Elitebegriffs in Deutschland ein Anzeichen des Versagens der Machtträger ist."

Cristóbal Rovira Kaltwasser in der Rezension eines Sammelbandbeitrages von Herfried Münkler, von dem das wörtliche Zitat stammt. Der Sammelband wird übrigens sehr gelobt als "wertvolle Orientierung in der aktuellen Elitendiskussion". Allerdings ist Rovira offenbar Promovend bei Münkler.

Nachweis: Cristóbal Rovira Kaltwasser, Rezension zu: Münkler, Herfried; Bohlender, Matthias; Straßenberger, Grit (Hrsg.): Deutschlands Eliten im Wandel. Frankfurt am Main 2006. , In: H-Soz-u-Kult, 06.09.2006, online unter http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2006-3-169.

Frieden und Bürokratie

"Der Bürgermeister erinnerte sich an ihn. Vor Monaten, als ihm die Ernennung des Standesbeamten mitgeteilt worden war, hatte er ein Ferngespräch geführt, um anzufragen, wie er ihn empfangen solle, und man hatte ihm geantwortet: »Mit Schüssen.« Jetzt kamen andere Befehle. Die Hände in den Taschen, wandte er sich an den Sekretär und sagte:
»Schreiben Sie den Brief.«


Der Bürgermeister war nämlich eigentlich Leutnant in einem der unendlichen kolumbianischen Bürgerkriege und ist über seinen Terror in dem Dorf, dass er nun im anschließenden Frieden zivil verwaltet, Landbesitzer geworden. Nun hat er die in Hütten hausenden Opfer einer Sintflut auf sein Land am Friedhof umgesiedelt, kann diese Aktion aber nicht legalisieren (und sich selbst Entschädigung zahlen), weil (unter seiner Aufsicht) vor den letzten Wahlen die Wahlausweise von Oppositionswählern, die die Umgesiedelten als einzige persönliche Dokumente besaßen, polizeilich beschlagnahmt und vernichtet wurden, womit sie zu keinem Rechtsakt fähig sind bzw. bürokratisch nicht existieren und angesiedelt werden können. So findet sich der Kriegsgewinnler in den Maschen der Bürokratie eines sich nun als Rechtsstaat gerierenden Systems.

Nachweis: Gabriel García Márquez, Die böse Stunde. Aus dem Spanischen von Christiane und Kurt Meyer-Clason, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2. Auflage 2002 (des KiWi-Taschenbuch 739), S. 83 (Original La mala hora von 1974, deutsche Erstausgabe 1979).

Die Impotenz des Behüteten

"Anschließend an solche Erfahrungen pflegtest Du in bitterem Scherz zu sagen, dass es uns zu gut ging. Aber dieser Scherz ist in gewissem Sinne keiner. Das, was du dir erkämpfen musstest, bekamen wir aus deiner Hand, aber den Kampf um das äußere Leben, der dir sofort zugänglich war und der natürlich auch uns nicht erspart blieb, den müssen wir uns erst spät, mit Kindeskraft im Mannesalter erkämpfen."

Das Problem behüteter Kindheit für die folgende Durchsetzungsfähigkeit im Leben hat also auch Kafka erlitten. Bei ihm war es gar, so schreibt er im Brief an den Vater, gepaart mit einem so dominanten und bestimmenden Vater, dass er bedauert, "dass wir mit unserer Not uns nicht rühmen und niemand mit ihr demütigen konnen, wie du es mit deiner Not getan hast."

Nachweis: Franz Kafka, »Brief an den Vater«, in: Ders.: Die Verwandlung / Brief an den Vater und weitere Werke, hg. v. Johannes Diekhans, Paderborn: Schöningh Verlag (Reihe Einfach deutsch), 1999, S. 65-118, hier: 85.

Wie soll man da die Wahrheit finden

"Q: Does your reason for being here have anything to do with him being here?

A: I do not know what reason he is here. I didn't even know he was here before I got here. I don't know what reason I am here."



Aus eine zufällig ausgewählten Protokoll der kürzlich freigegebenen Akten der Gefangegenverhandlungen vor dem Combatant Status Review Tribunal in Guantánamo. Aus einer Zeugenanhörung über einen Gefangenen, der angibt, unter den Taliban Zimmermann gewesen zu sein und dann ziviler "district officer" der Regierung Karzai in Pashat (Provinz Kunar) gewesen zu sein. Der aussagende Zeuge gibt an, Soldat der Regierung Karzai ebendort gewesen zu sein. Wenn man sich das durchliest, können einem aber die Richter leid tun, weil die Angeklagten Himmelsrichtungen und Entfernungen ihrer Dörfer nicht sicher angeben können, viele Ortsnamen sind phonetisch protokolliert, was bedeutet, dass sie dem Protokollanten nicht bekannt sind, Karten scheinen nicht besonders genau zu sein. Und Ämter und Bezeichnungen scheint es viele gegeben zu haben. Das einzige, was ich wirklich verstanden habe, ist dass der Bruder des Angeklagten im Krieg gegen die Sowjetarmee gefallen ist und dass er bei seiner Festnahme geschlagen wurde und nun angibt, Probleme beim Urinieren zu haben, wogegen ihm aber immer nur eine Tablette gegeben werden, anstatt ihn richtig zu untersuchen.

Die Provinz Kunar ist übrigens dafür berüchtigt, dass ihre waldreichen Gebirge leicht zur Infiltration durch Taliban aus dem benachbarten Afghanistan genutzt werden. Sie gilt als "...an Afghan province known for its hostility to the West" (Phillip Robertson, in: www.salon.com, zitiert nach afghanistan-seiten.de (Original hier).


Nachweis: Keine Ahnung, wie man das zitiert, Datum und Beteiligte sind nicht angegeben (Detainee und Witness #2 sowie Tribunal Member heissen sie; der Tribunal President ist ein geschwärzter Colonel des U.S. Marine Corps), Testimony of Detainees Before the Combatant Status Review Tribunal, cleared for public release), ISN 1035, Enclosure (3), in: Set 32, p. 2266-2278, hier: 2276. Das PDF-Dokument ist hier als Set_32_2266-2301.pdf abrufbar. Die Aussagen stehen auf S. 11.

Politik als Show.

"Die Sichtbarkeit von Verteilungswirkungen im Verteilungskampf beeinflusst soziale und ökonomische Startchancen in der Politik-Arena des jeweiligen Politikfeldes nachdrücklich. Gerade die mangelnde Sichtbarkeit staatlicher Maßnahmen in einem komplizierter werdenden Transfersystem macht es großen Gruppen immer schwerer, ihre Vorstellungen und Interessen zum Ausdruck zu bringen und Forderungen durchzusetzen. Denn Maßnahmen, die wenig sichtbar sind, stoßen auf Desinteresse und provozieren keine politischen Sanktionen."

Nachweis: Paul Kevenhörster, Politikwissenschaft Band 1: Entscheidungen und Strukturen der Politik, Opladen: Leske + Budrich 1997, S. 365.

Mit einer Fußnote: "Vgl. Murray Edelmann, Politik als Ritual. Die symbolische Funktion staatlicher Institutionen und politischen Handelns, Frankfurt a.M./New York 1976, S. 32." (a.a.O. durch tats. Titel, etc. ersetzt)

Eliten sind anders

"So entsteht in den Massendemokratien der Gegenwart eine Kluft zwischen der gut ausgebildeten, liberalen Führungsschicht und einer Unterschicht, die sich weit weniger liberal und tolerant zeigt. Dieser grundsätzliche Einstellungskonflikt bildet häufig den Nährboden politisch extremistischer Bewegungen, die den traditionellen »Autoritarismus der Arbeiterklasse« in antimodernen, antiliberalen Protest umsetzen."

Ich hoffe inständig, dass das zu vereinfacht ist. US-bezogen vielleicht? Kevenhörster bezieht sich u.a. auf Markus und Converse und gibt als Beispiele die Wallace-Bewegung (USA) und den Front National (F) an.

Nachweis: Paul Kevenhörster, Politikwissenschaft Band 1: Entscheidungen und Strukturen der Politik, Opladen: Leske + Budrich 1997, S. 152.

Dazu gehört Fußnote 97: "Vgl. Gregory B. Markus/Philipp E. Converse, A dynamic simultaneous equation model of electoral choice, in: American Political Science Review, vol. 73, 1979, S. 1055-1070."

Sachzwang und Ideologie

"1940 wollten die für die zivile Lebensmittelversorgung zuständigen Beamten des Reichsernährungsministeriums das Halten von Haustieren - sofern sie nicht, wie Katzen auf einem Bauernhof, unbedingt gebraucht wurden - in ganz Deutschland verbieten, um Getreide und Fleisch einzusparen. [...] Das Vorhaben scheiterte an Hitler, der den Deutschen solche emotionalen Verluste nicht zumuten wollte. Doch gegen die Juden ließ sich das Verbot durchsetzen. So entstand die viel zitierte Verordnung, die Juden das Halten von Kanarienvögeln, Katzen oder Dackeln untersagte."

Da ich nur Randerscheinungen zitiert habe, sei nochmal darauf hingewiesen, dass Götz Alys "Hitlers Volksstaat" ein gut lesbares Buch ist, das auch derartige Anekdoten enthält. Sie bilden nicht den Kernbestand des Buches, sind nicht Zentrum der Argumentation und werden nur an passenden Stellen illustrativ eingesetzt. Das Buch ist sehr seriös recherchiert, sehr materialreich und mit großem Wissen argumentiert, auch wenn wirtschaftshistorische Erkenntnisse (etwa von Mark Spoerer) kaum verarbeitet worden sind.

Nachweis: Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, Frankfurt am Main: S. Fischer, 2005, S. 351.
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